Sichtbarkeitsanalysen mit Visibility Analyst

Die Geschichte eines Erfolgs

Die Nutzung der Windenergie ist in Deutschland das wichtigste Standbein der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen. Im Jahr 2005 waren Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von ca. 18500 MW  installiert, die 26500 GWh Strom pro Jahr erzeugten. Im Zuge dieses großen Erfolges der Windkraft wurden jedoch auch die kritischen Stimmen immer lauter, die vor allem die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch Windenergieanlagen hervorhoben (vgl. Leitartikel "Der Windmühlen-Wahn" im SPIEGEL Nr. 14/2004).

Die Auseinandersetzung zwischen Windbranche, politischen Entscheidungsträgern und Windenergiekritikern findet jedoch weitgehend auf dem Feld der Öffentlichkeitsarbeit statt; von der einen Seite wird die Bedeutung der Windenergienutzung für eine Energiewende unterstrichen, die andere Seite hebt die (insbesondere optische) Belastung der Landschaft durch die Masten hervor. Dennoch findet bei der Standortwahl der Faktor Sichtbarkeit in der Regel keine Berücksichtigung. Begutachtet werden lediglich die Ertragserwartung, Schattenwurf, Schallemission und Belastung der Avifauna; eine Optimierung der Standortwahl unter dem Gesichtspunkt einer besseren Integration der Bauwerke in das Landschaftsbild findet in den meisten Fällen nicht statt.
Einzelanlage im Georgengarten

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Offshore Windrad in der Leine
Eine Erhöhung der Kapazitäten der Windenergieerzeugung durch Offshore-Windkraftanlagen ist gegenüber der Kritik weniger anfällig, da es auf See natürlich keine Anwohner gibt, die gegen die optische Belastung Sturm laufen würden. Ungeachtet bestehender Probleme technischer und ökologischer Natur findet jedoch auch im Gefolge von Offshore-Windparks unter Umständen eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes statt. Angesichts der geplanten Offshore-Windparkleistung von 20.000 MW bis zum Jahr 2020 ist ein Transfer der Energiemengen über weite Strecken in die Verbraucherregionen bzw. eine Errichtung neuer Überlandleitungen unumgänglich. Die für die unterirdische Verlegung eines 380 kV-Kabels erforderlichen Mehrkosten gegenüber einer Freileitung werden auf 4 Mio. Euro/km geschätzt, weshalb in der Regel der Verlegung einer Freileitung der Vorzug gegeben wird. Die Masten einer solchen Freileitung stellen indessen ebenso wie Windkraftanlagen eine optische Belastung für den Menschen dar.

Ich sehe was, was du nicht siehst!

Umwelt- und Ingenieurbüros, die sich mit der Planung und Begutachtung mastenartiger Bauwerke befassen, bieten in der Regel auch Untersuchungen der optischen Wirkung der Objekte an. Diese klassischen Sichtbarkeitsanalysen sind jedoch in ihrer Verwendbarkeit, egal ob sie mit Zirkel und Lineal auf der Karte, mit Hilfe von CAD oder auch unter Verwendung Geografischer Informationssysteme durchgeführt werden, stark limitiert, da nur für vorher festgelegte Standorte die Sichtbarkeit in der Umgebung analysiert werden kann, jedoch keine flächenhafte Aussage über die potenzielle Sichtbarkeit mastenartiger Bauwerke für jeden möglichen Standort einer Region getroffen werden kann. Für diese Fragestellung wurde von der Firma ECOGIS die Software Visibility Analyst entwickelt, mit deren Hilfe eine optimale Platzierung mastenähnlicher Bauten, seien es Windparks, Freileitungen oder Fernmeldemasten, nach dem Kriterium der Sichtbarkeit erreicht werden kann. Visibility Analyst bietet gegenüber der klassischen Sichtbarkeitsanalyse eine ganze Reihe von Neuerungen: Windpark vor dem Großen Garten

Visibility Analyst macht's möglich

Um vor der Standortsuche für mastenartige Bauwerke potenzielle Sichtbeziehungen in Form thematischer Karten darstellen zu können, wurde von der Firma ECOGIS das Tool "Visibility Analyst" entwickelt. Sie können sogar unabhängig von irgend einem konkreten Projektvorhaben mit Visibility Analyst Karten erstellen, mit denen die potenzielle Belastung flächenhaft vergleichend sichtbar gemacht wird. Stärker sichtbare ("belastende") Bereiche werden z. B. in Violett, weniger stark belastende Bereiche in Rot oder Gelb und kaum einsehbare Bereiche in Grün dargestellt. Lediglich ein Geländemodell, eine Nutzungskartierung sowie daraus abgeleitete Strukturhöhen sind als Eingangsdaten erforderlich. Dabei können gleichzeitig verschiedene Varianten errechnet werden, in denen beispielsweise verschiedene potenzielle Objekthöhen angenommen sowie unterschiedliche Gewichtungen von Baumaßnahmen im Umfeld von Siedlungsrändern und Freiflächen vorgenommen werden können. Auf diese Weise können nicht nur regionale Unterschiede dargestellt, sondern auch verschiedene Bauhöhen oder unterschiedliche Schwerpunkte bei der Frage des schützenswerten Gutes (Schutzgut Mensch oder Landschaft als Eigenwert) miteinander verglichen werden.

Sichtbarkeitsanalyse für einen Einzelstandort
Flächenhafte Sichtbarkeitsanalyse mit Visibility Analyst
Abb. 1: Die klassische Sichtbarkeitsanalyse erstellt eine Karte nur für einzelne potenzielle Standorte (symbolisiert durch den roten Punkt). Von den rot markierten Flächen ist das Objekt sichtbar.
Abb. 2: Die Sichtbarkeitsanalyse mit Visibility Analyst erstellt eine Karte der potenziellen Sichtbarkeit mastenartiger Bauwerke für jeden möglichen Standort auf der Karte. Bereiche hoher Sichtbarkeit sind violett bis rot, geringe Sichtbarkeit gelb bis grün dargestellt.

Die Stecknadel im Heuhaufen

Visibility Analyst berücksichtigt viele Detailaspekte der Sichtbarkeit wie z. B. die eingeschränkte Sichtbarkeit teilweise verdeckter Bauwerke, die unterschiedliche Gewichtung von Siedlungsrändern und Freiflächen, die Platzierung von Bauwerken in Waldgebieten und die Abnahme der Eindrucksstärke mit der Entfernung. Dennoch ist die Qualität des Ergebnisses immer abhängig von der Präzision, Korrektheit und Aktualität der Eingangsdaten. Bei der Sichtbarkeit von Objekten spielen ja oft kleinräumliche Strukturen wie Hecken, Alleen, Wälle, Lärmschutzwände etc. eine große Rolle. Zwar können in den Randbereichen eines Untersuchungsgebietes oder für eine Übersichtskarte die Daten auch aus unterschiedlichen Quellen (z. B. ATKIS DLM, CORINE Landnutzungskataster, topographische Karten) miteinander verschnitten werden, zur näheren Betrachtung von Vorranggebieten ist jedoch eine Digitalisierung auf Basis von Luftbildern erforderlich. Hierzu arbeitet die Firma ECOGIS mit der Planungsgruppe Landschaft aus Hannover zusammen, die über die technischen und personellen Möglichkeiten zur Datenerfassung und -ausgabe, sowie das Know-how und die Erfahrung zur Aufbereitung, Interpretation und Qualitätssicherung der Daten verfügt.


Visibility Analyst ist das derzeit leistungsfähigste Produkt zur Ex-Ante-Berechnung von Sichtbeziehungen. Die Firma ECOGIS als Produktentwickler ist im Bereich der Sichtbarkeitsanalyse im Vorfeld von Baumaßnahmen ebenfalls ein erfahrener Partner. Ein Referenzprojekt ist z. B. die Sichtbarkeitsstudie zum Bau einer 300 km langen Freileitung von der Nordseeküste ins Ruhrgebiet für einen Offshore-Windpark bei Helgoland (vgl. den Artikel "Ex-Ante-Sichtbarkeitsanalyse für Großräume am Beispiel einer Freileitungstrasse durch Niedersachsen" in der Zeitschrift Erneuerbare Energien 8/2005, dem auch die Abbildungen entnommen sind). Eine Dokumentation des Projektes finden Sie hier:

Dokumentation Sichtbarkeitsanalyse


Kompensationsflächenberechnung

Neben Sichtbarkeitsanalysen vor Trassenfestlegung kann Visibility Analyst auch eingesetzt werden, nach Festlegung der Maststandorte die faktische Beeinträchtigung des Landschaftsbilds zu quantifizieren. Diese Methodik kann entweder zum Decision Support beim Vergleich von Trassenvarianten verwendet werden, oder aber konkret zur Ermittlung von Kompensationsflächen (oder -leistungen) nach Bundesnaturschutzgesetz. Weitere Information finden Sie am Beispiel einer durchgeführten Kompensationsflächenberechnung mit Visibility Analyst hier:

Dokumentation Kompensationsflächenberechnung

Eine Präsentation, die die wesentlichen Elemente der innovativen Methode zur Kompensationsflächenberechnung für Freileitungen darstellt, finden Sie hier:

Präsentation Landschaftsbildanalyse

Mit einer Sichtbarkeitsanalyse, die Sie der Planung Ihrer Baumaßnahme vorschalten, verfügen Sie mit relativ geringem Mehraufwand nicht nur über Erkenntnisse bezüglich der Wirkung der Bauten auf das Landschaftsbild, sondern haben auch gegenüber potenziellen Kritikern einen Trumpf im Ärmel. Wenden Sie sich für weitere Informationen einfach an uns:

weigel at ecogis de

URL:http://www.ecogis.de/visibility.html
English: http://www.ecogis.de/visibility_en.html

Homepage:http://www.ecogis.de
English: http://www.ecogis.net/

last edited: Johannes Weigel, Dec. 3, 2007